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Warum im Wald? Was bringt Lernen im naturnahen Raum?

Nachhaltig lernen dank vielfältiger Sinneserfahrungen

Durch den direkten Kontakt mit der Natur können alle Sinne aktiviert werden – Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und Schmecken. Dies ermöglicht ein multisensorisches vernetztes Lernen, bei dem Informationen nicht nur übers Gehör, sondern durch eine Vielzahl von Sinneseindrücken vermittelt werden. Diese vielfältigen sinnlichen Wahrnehmungen sorgen gemäss der Hirnforschung für eine intensive Verankerung des Erlebten im Langzeitgedächtnis: Wissen wird nachhaltig verinnerlicht, wenn es über möglichst verschiedene Kanäle mit dem vorhandenen Wissen verwoben und an die vorhandene Erfahrung angeknüpft wird. Im Gehirn wird nur das verankert, was vom Kind selbst als bedeutsam erlebt wird und die emotionalen Zentren aktiviert. Wenn Kinder das Leben in seinen natürlichen Zusammenhängen erfahren und nicht nur über Bücher und Theorie, bekommen Lernprozesse eine andere Qualität. Hier kann die Vermittlung von Wissen und Erkenntnissen anknüpfen.
 

Eigenaktivität, Selbstwirksamkeit und Selbstsicherheit durch Freiraum

Indem Kindern Raum gegeben wird, selbst aktiv zu werden und ihre Umgebung zu erkunden, steuern sie ihr Lernen mit. Die Natur ist ein riesiger Entdeckungsraum, der die Neugier weckt und den Forschungsgeist anregt. Durch eigenständiges Handeln und Experimentieren können Kinder selber Erfahrungen machen und Wissen aufbauen. Sie werden ermutigt, Fragen zu stellen, Phänomene zu beobachten und Lösungen zu suchen. So beobachten sie nicht nur passiv, sondern interagieren aktiv mit ihrer Umwelt. Das fördert das Verstehen von Zusammenhängen und wirkt nachhhaltiger als rein theoretische Ansätze. Wenn sie sich in die Welt um sie herum einbringen können, merken sie zudem, dass ihre Handlungen einen Einfluss auf das eigene Leben und die Umwelt haben. Sie entwickeln eine gestärkte Überzeugung in ihre eigenen Fähigkeiten und ihre Wirksamkeit in der Welt. Diese Erfahrungen von Eigenaktivität und Selbstwirksamkeit begünstigen die Entfaltung intrinsischer Motivation zum Lernen. Neugier ist ein wichtiger Motor für nachhaltiges Lernen. Sie gilt es zu wahren, damit Lernen ein Leben lang aus eigenem Antrieb und mit Begeisterung möglich ist.


 

“Begreifen beginnt beim Greifen und in der Natur sind die Dinge greifbar und erfahrbar. Draussen haben die Kinder die Möglichkeit herauszufinden, was sie können und was nicht. Es ist nicht nur gesund für den Körper. In der Natur nehmen wir uns wahr - durch Bewegung - und lernen uns selbst zu schulen.”

Philipp Ramming Fachpsychologe für Kinder- und Jugendpsychologie FSP


 

Sozialkompetenz durch (altersgemischte) Gruppentätigkeiten

Im Freien arbeiten die Kinder weniger allein, sondern eher in Gruppen. Das fördert pro-soziales Verhalten, Kompetenzen zur Konfliktlösung und das Vertrauen in andere. Kinder lernen Selbstregulation und die Fähigkeit, in einer Gruppe zu agieren: die Bedürfnisse anderer respektieren, sich zurücknehmen und sich in der Gruppe unterstützen. Durch gemeinsame Erlebnisse und Herausforderungen entwickeln sie eine gemeinsame Identität und ein Gefühl der Zugehörigkeit. Dies wirkt sich positiv auf das Selbstwertgefühl und das soziale Wohlbefinden aus. In altersgemischten Gruppen können jüngere Kinder von den Älteren lernen und ihrem Wissen profitieren. Sie werden durch die ältereren Vorbilder dazu ermutigt, selbstständig zu agieren. Ältere Kinder übernehmen eine Mentorrolle für die Jüngeren und unterstützen diese. Das fördert die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein und Empathie. Darüber hinaus ermöglichen altersdurchmischte Gruppen individuelles Lernen und unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten und -stile. Das vermindert Frustration bei Lernschwierigkeiten.

 

 

Motorik und Gesundheit

Die Weite des Unterrichtsortes Wald dient dem natürlichen Bewegungsdrang der Kinder. Und die Natur ist ein geeignetes Übungsfeld für die Entwicklung unterschiedlicher motorischer Fähigkeiten: Die Grobmotorik durch Aktivitäten wie Klettern, Springen oder Balancieren. Das Sammeln von Blättern und Steinen wiederum oder das Schnitzen von Holz verlangt feinmotorischen Fähigkeiten: präzise Handbewegungen und Fingerfertigkeit. Die Koordination und das Gleichgewicht werden durch Herausforderungen im unebenen Gelände trainiert. Aufenthalte im Freien verbessern das allgemeine Wohlbefinden und die körperliche und mentale Gesundheit. Emotionale Schwierigkeiten und hyperaktives Verhalten werden aufgefangen.


 

Freispiel – Kinder eignen sich die Welt spielend an

Das Freie Spielen verbindet alles: die Kinder können kreativ eigene Welten gestalten und in Abenteuer eintauchen. Sie stecken sich ihre Ziele selber und können sich daran ausprobieren. Sie lernen, ihre eigenen Interessen zu verfolgen, eigene Entscheidungen zu treffen und Verantwortung für ihre Handlungen zu übernehmen. Sie testen verschiedene Rollen, stärken ihre Unabhängigkeit und damit ihre Identität. Sie entwickeln Kommunikations- und Teamfähigkeiten, indem sie die Sichtweisen, Absichten und Gefühle der anderen verstehen zu lernen. Sie üben, sich sozial zu organisieren und Konflikte zu lösen. Sie lernen Regeln zu akzeptieren und zu befolgen. Sie trainieren, mit Gefühlen wie Wut, Eifersucht und Freude umzugehen.


 

Naturbeziehung und Klimawandel

Indem sie Zeit draussen verbringen, lernen die Kinder ihre unmittelbare Umgebung kennen, bauen eine Verbindung zur Natur auf und entwickeln ein Gefühl von Zugehörigkeit. Die unmittelbare sinnliche Begegnung mit der Natur und dem Lebendigen lässt eine emotionale Bindung entstehen, die Basis ist für den achtsamen Umgang mit der Natur. Zusammen mit einer konstruktiven Auseinandersetzung mit den aktuellen Fragen der Naturzerstörung führt das zu einem erhöhten Umweltbewusstsein und zu nachhaltigerem Handeln.

 

 

Weitere Informationen zu «Draussen lernen – in und mit der Natur»: www.silviva.ch

SILVIVA ist eine Fachorganisation im Bereich Bildung und offizielle Partnerin des BAFU mit schweizweitem Auftrag in Umweltbildung. Als dreisprachiges Kompetenzzentrum befähigt SILVIVA seit 1985 Bildungsanbieter*innen, Natur und Lernen evidenzbasiert und wirksam zu verknüpfen – strategisch, methodisch und konzeptionell; analog sowie digital.

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